Kohle…

Posted by Julian on April 1st, 2011 filed in Allgemein, Das Besondere im Alltaeglichen, Essen

Da verdien ich ja grad exorbitant viel Kohle, also wenn ich mein Netto-Jahresgehalt in Euro umrechne (nur das man was damit anfangen kann, Franken sind ja doch eher eine theoretische Größe…) neige ich dazu das ganze schon ein wenig pervers zu finden. Gut, es landet auf meinem Konto, das erleichtert die ganze Sache schon ein wenig. Und trotzdem renn ich so gammlig rum wie nie zuvor. Meine “Frisur” schaut scheiße aus, rasieren könnte ich mich auch mal wieder, das Durchschnittsalter meiner Kleidung hat ganz neue Dimensionen erreicht, meine Muskelberge sind verschwunden, dafür hab ich Schwabbelwabbel erworben. Fehlt mir nur noch nen Bademantel und ich könnte als “Dude” durchgehen…
Und so bin ich heut abend mal in den Supermarkt marschiert, top-motiviert zum einkaufen. Kurz nach dem Eingangsdurchlassausganssperrteil, etwa auf höhe der krummen Bananen und geraden Karotten ist mir dann eingefallen, dass ich noch ne halbe Tüte Chips zu Hause hatte. Eigentlich vollkommen ausreichend als Abendessen hab ich mir gedacht. Wunderbar. Ist es nicht schön genügsam zu sein? Hab dann trotzdem noch ein wenig eingekauft, noch ne Tüte Chips, ein bisschen Wasser…

Ja, und dann denk ich so nach, was die größten Übel der Menschheit sind, was am meisten Leid verursacht und letztendlich diesen Planeten zerstört. Und die Antwort war nicht so schwer zu finden: Politik und Wirtschaft. Mal abgesehen von den üblichen “Kleinigkeiten” die unsere Freunde in Politik und Wirtschaft gern mal verursachen wie Kriege weil man beleidigt wurde, oder ner kleinen Hungersnot weil man mal ein bisschen mit den Reis-Preisen spielen will, um sich mal eben die neue Villa in Monaco rauslassen zu können find ich es doch schon fast schockierend, was sie sich hier in aller Öffentlichkeit erlauben. Da geht irgendwo nen Atomkraftwerk hoch und was tut man um seine Bevölkerung zu schützen? Richtig, man schraubt die Grenzwerte für Radioaktivität mal eben um 200% in die Höhe. Ich glaub ich werd Politiker, da kann man sicherlich viel Spaß haben. Wenn ich mal durch Baden-Württemberg muss erhöh ich einfach die Grenzwerte für die Geschwindigkeit um ebenjenen Faktor. So rein prophylaktisch überall mal 210 statt 70. Das klingt doch gut, so geht Politik.
Oder unsere Freunde aus der Energiewirtschaft. So Atomkraftwerke sind ja doch toll. Werfen ungemein viel Gewinn ab. Super wirtschaftlich, weil den größten Teil der Kosten betrachten wir einfach mal nicht. Um die Entsorgung der Abfälle darf sich ja hernach der Staat kümmern, zahlt der Steuerzahler. Vollkommen irrelevant also, reden wir weiter von billiger Energie.
Und sicher? Natürlich sind die Dinger sicher. Werden doch schließlich regelmäßig vom TÜV kontrolliert. Ihr wisst schon, der Schweineladen, der immer Top-Autos aus dem Verkehr zieht, nur weil ein Scheinwerfer ein wenig wackelt oder an vollkommen irrelevanten Stellen die Karre ein bisschen durchgerostet ist. Nun, wenn sich mit diesem Enthusiasmus um die Sicherheit der Atomkraftwerke gekümmert wird dann können wir ja wieder beruhigt schlafen und müssen nur noch Angst vor den AKWs in den Nachbarländern. Doch halt, wem gehört denn der TÜV (Süd)? Zu etwa drei Vierteln gehört er dem TÜV SÜD e.V.. Und Mitglieder dieses Vereins sind unter anderem die Betreiber diverser Atomkraftwerke. Jetzt müsste man natürlich herausfinden wie viel diese dort zu sagen haben, um Schlüsse ziehen zu können, aber das überlasse ich echten Journalisten (wobei man denen ja auch nicht trauen kann, was man da ständig für Mist liest…).
Achja, wenn ich mal groß bin und pervers viel Kohle verdien, dann kauf ich mir meinen eigenen Tüv und hab somit immer frische Plaketten für meine alten Kackmöhren.
Oh, ihr dürft mich nicht falsch verstehen. Ich habe prinzipiell kein Problem mit der Atomkraft. Ich neige sogar dazu sie Kohle und Öl vorzuziehe. Doch denke ich nicht dass unsere Freunde aus Politik und Wirtschaft verantwortungsvoll damit umgehen können, insofern halte ich sie für unsere Gesellschaft für vollkommen ungeeignet.

Hachja, und dann freue ich mich über meinen chilligen Job, wo ich mich nicht mit so viel Verantwortung rumschlagen muss sondern nichts weiter zu tun hab als ein paar Rohre zu verlegen, schön gemütlich vom Schreibtischstuhl aus. Virtuell sozusagen (Yeah, ich darf Rohre verlegen wenn ich arbeite - nur um das Niveau mal wieder auf das übliche Nivau zu bringen). Und denk mir ob wir nicht viele Probleme einfach lösen könnten indem wir nur noch halb so viel tun. Also in der Arbeit, immer mittags nach Hause gehen. Einfach mal ausbrechen aus dem Teufelskreis aus immer mehr, mehr wollen, mehr Steuern, mehr verdienen (müssen), mehr wollen (weil mehr Arbeit)… Und mal ehrlich, wir könnten es uns leisten. Gut wir müssten ein wenig verzichten, nur noch alle 4 Jahre das aktuelle MacBook, vielleicht mal ein kleineres Auto, und dann auch noch gebraucht. Aber vielleicht fangen wir auch wieder an auf Qualität zu achten, fordern fünf Jahre Garantie auf alles und hoppla, die Sachen leben plötzlich viel länger. Das Wachstum der Müllhalden verringert sich gewaltig. Dafür reichen unsere Energiereserven plötzlich wieder 100 Jahre und nur halb so viele MacBooks lassen sich komischerweise auch vollkommen ohne Atomkraft produzieren. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage sich teure Autos mit exorbitanten 8 Liter verbrauch zu leisten? Egal, entwickeln wir sparsame, sinnvolle Autos. Und stellt euch vor wie viel Zeit wir plötzlich hätten, Zeit für Freunde, für Familie, für draussen, für Sport oder um einfach mal die Berge von Emails die unbeantwortet im Posteingang schlummern zu beantworten…

Ich glaube ich sollte einfach mal anfangen.

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